Retten Sie die historischen Dresdener Friedhöfe vor dem Verfall!

Liebe Dresdner Stadtratsabgeordnete, Lieber Herr Oberbürgermeister Hilbert,

2018 ist durch die Landeshauptstadt Dresden ein Friedhofsentwicklungskonzept verabschiedet worden.

Eine wesentliche Feststellung war dabei der immense Sanierungsstau auf Dresdner Friedhöfen:

Es wurde ein jährlicher Bedarf für die 58 Dresdner Friedhöfe von knapp 1.300.000€ festgestellt - zusätzlich zu einmaligen Instandsetzungskosten in Höhe von ca. 7.160.000€ für die sanierungsbedürftigen Baulichkeiten. Für die nächsten 20 Jahre wurden die Kosten auf knapp 32.500.000€ geschätzt.

Zum Zeitpunkt der Datenerhebung für das FEK (2017) erhielten alle 58 Dresdner Friedhöfe 563.200€ pro Jahr für Grünerhalt und Sanierung von Baulichkeiten. Davon gingen 242.000€ an die damals 4 (heute 5) kommunalen Friedhöfe und die restlichen 321.200€ an die 53 konfessionellen Friedhöfe.

Schon vor zwei Jahren konnte eine bessere Friedhofsförderung nur mit Hilfe des Stadtrats entgegen des Haushaltsentwurfs des Oberbürgermeisters durchgesetzt werden - wir danken den Stadtratsabgeordneten dafür sehr!

Doch auch dieses Jahr wurde die Mehrbedarfsanmeldung des Amtes für Stadtgrün und Abfallwirtschaft in Höhe von 500.000€ von Ihnen, Herr Oberbürgermeister Hilbert, zurückgewiesen.

Damit drohen die Friedhöfe wieder komplett zurückzufallen auf die ursprünglichen 563.200€ von 2017.

Das war auch damals schon deutlich zu wenig für Grünerhalt UND Denkmalerhalt UND Gebäude-/Anlagenunterhaltung, aber seitdem sind zusätzlich die Baupreise drastisch gestiegen und die Probleme haben sich in der Zwischenzeit durch den weiteren Verfall deutlich vergrößert.

Wenn wir wieder auf die alte Fördersumme zurückfallen und den 54 konfessionellen Friedhöfen damit wieder nur knapp 321.200€ bleiben, dann ist das nicht einmal die Sanierung eines Abschnitts Friedhofsmauer. Im Bereich Denkmalrestaurierung reicht das gerade einmal für 15 bis 20 Grabdenkmäler oder Ziergitter.

Bitte erhöhen Sie die Friedhofsfördermittel mindestens um die vom Amt für Stadtgrün und Abfallwirtschaft erbetenen 500.000€ pro Jahr - besser noch um die im Friedhofsentwicklungskonzept ermittelten 700.000€ Mehrbedarf pro Jahr.

Denn seien wir ehrlich: Das ist immer noch nicht wirklich viel Geld im städtischen Haushalt für 58 Friedhöfe.

Dieser Betrag sollte daher auch fest im städtischen Haushalt verankert werden.

Vielen Dank für alle, die das Anliegen unterstützen und teilen und ggf. in ihrem Umfeld für den Erhalt der Dresdner Friedhöfe werben!

Fotos von Altem Annenfriedhof (eingelagertes, verfallendes Grabmal, eingestürzte Friedhofsmauer, zerbrochene Schriftplatte), Neuem Annenfriedhof (abgebautes Grabmal im sachsenweit einzigartigen und in ruinösem Zustand befindlichem Campo Santo), Innerem Neustädter Friedhof (zwei wunderschöne, aber bald völlig zerstörte Plastiken auf einem der ältesten und kunsthistorisch bedeutsamsten Friedhöfe der Stadt), St. Pauli Friedhof (Absperrungen in vielen Bereichen aus mangelnder Verkehrssicherheit).


Warum die Friedhöfen retten?

Die Dresdner Friedhöfe sind Orte von hoher kunsthistorischer, gärtnerischer, ökologischer und seelsorgerischer Qualität. Sie machen Stadtgeschichte erlebbar, ebenso wie alte Kunsthandwerkstechniken, Zeitgeist und Lebensbedingungen vieler vieler Generationen werden auf Grabinschriften lebendig, mit ihrer strukturellen Vielfalt und den uralten Baumbeständen leisten sie einen großen Stadtklimatischen Beitrag, bieten einen Lebensraum für viele seltene Tier- und Pflanzenarten und einen Naherholungsraum für die Bürgerschaft.

Viele Friedhöfe bieten darüber hinaus Gesprächskreise, Führungen und andere Kulturangebote an oder Umweltbildungsaktionen - vieles davon Angebote, die in der Nachbarschaft auch niedrigschwelligen Austausch zwischen Generationen ermöglichen.

Friedhöfe sind längst viel mehr als einfach nur Bestattungsorte.

Dennoch leiden die Dresdner Friedhöfe weiterhin unter dem Sanierungsstau von Jahrzehnten:

Insbesondere zu DDR-Zeiten wurden viele Friedhöfe stark vernachlässigt. Auf vielen Friedhöfen drohen Mauern und Grabdenkmale einzustürzen, kunsthandwerklich herausragend gestaltete Grabdenkmale und Ziergitter zerbröseln vor den Augen der Friedhofsverwaltungen, weil diese besonders beim Denkmalerhalt auf Fördermittel angewiesen sind (hierfür dürfen nämlich keine Friedhofsgebühren verwendet werden). Aber auch die Instandhaltung der teils stark verfallenen Gebäude, oft architektonisch einzigartig gestaltet, ist eine Herausforderung. Zusätzlich müssen die wunderbaren alten Baumbestände gepflegt, die Wege instandgehalten werden und vieles mehr!

Allein auf dem Alten und Neuen Annenfriedhof wurde im Frühling 2022 aber bereits jetzt ein Zuwendungsbedarf von ca. 2.000.000€ für die nächsten zwei Jahre ermittelt. Darin sind keinesfalls "Luxusprojekte" enthalten, sondern wirklich nur die allerdringendsten Erhaltungsmaßnahmen für Grün, Denkmalsubstanz, Gebäudesanierung und Wege- sowie Mauerinstandhaltung. Der Bedarf auf allen Friedhöfen wird weiterhin so schnell ansteigen, wenn die Probleme weiter aufgeschoben werden.

Alle Informationen aus den Texten sind im Friedhofsentwicklungskonzept der Landeshauptstadt Dresden von 2018 hier zu finden - zusätzlich zu vielen weiteren interessanten Informationen rund um Dresdens Friedhöfe: https://www.dresden.de/de/stadtraum/umwelt/gruenes-dresden/Friedhoefe.php?pk_campaign=Shortcut&pk_kwd=friedhof

Fotos von Innerem Neustädter Friedhof, Altem Annenfriedhof, St. Pauli Friedhof (obere Reihe, von links nach rechts), sowie Johannisfriedhof, Heidefriedhof, Urnenhain Dresden Tolkewitz und Neuem Annenfriedhof (untere Reihe von links nach rechts).